Schein-Carsten-Bormann-Uni-Bremen

Carsten Bormann und der verschollene Schein der Uni Bremen – Agile Webentwicklung

Agile Webentwicklung ist ein Blockseminar von Carsten Bormann, in dem Studierenden der Universität Bremen in einem Block von 10 Tagen Sprachen wie Ruby on Rails näher gebracht werden sollen. Alles in allem ein angenehmer und spannender Kurs, den ich im Wintersemester 2012/2013 besucht und bestanden habe. Die Ausstellung eines Leistungsnachweises  blieb aus, knapp zwei Jahre gab es keinerlei Rückmeldung vom Prof. Erst mit einer Beschwerde und der Störung einer seiner Vorlesungen gab es eine Reaktion. Und was für eine.

Leistungsnachweise sind notwendig, um sein Studium abzuschließen. Nun hätte ich soweit alle Nachweise zusammen, um meine Abschlussarbeit an der uni Bremen zu beginnen, wenn da nicht noch der Schein von Carsten Bormann fehlen würde. Etliche Emails blieben über die Jahre unbeantwortet, per Twitter blieben Replies aus, im Büro war Carsten nicht anzutreffen. Wann er eventuell da wäre, konnte mir sein Kollege leider nicht sagen. Beim Prüfungsamt herrschte Ratlosigkeit vor, denn anscheinend reagierte Carsten auch auf Emails der Angestellten nicht. Und so zog sich die Prozedur in die Länge, bis ich irgendwann sah, dass Carsten Bormann dieses Jahr tatsächlich eine Lehrveranstaltung anbietet, die ich besuchen könnte. Ich kündigte mich also an:

Hallo Cabo,

bitte bringe zu deiner nächsten isec-Vorlesung am 06.01. meinen Schein
für den Kurs "Agile Webentwickung" aus dem Jahr 2013 mit. Ich werde am
Anfang der Vorlesung mit einem Vordruck erscheinen und auf eine
Ausstellung bestehen. Verzögerungen im Veranstaltungsverlauf werde ich
in Kauf nehmen. Bitte bereite dich entsprechend vor, damit die
Studierenden im Anschluss in Ruhe ihrer Vorlesung folgen können.

Ich finde es schade, dass es zu dieser recht übergriffigen Methode
kommen muss, sehe aber leider nach fast zwei Jahren, in denen du weder
auf E-Mails reagiert hast noch im Büro anzutreffen warst, leider keine
andere Möglichkeit.

Falls du dir die angekündigte Prozedur ersparen möchtest und den Schein
selbst im Prüfungsamt abgeben möchtest oder vielleicht sogar bereits
abgegeben hast, lass mich dies bitte vor Dienstag wissen.

Grüße,
Marvin Pollock

Carsten Bormann wollte sich die Prozedur nicht ersparen.

Als ich in der Vorlesung ankam, begrüßte mich ein grinsender Carsten Bormann mit einem leeren Schein. “Deinen kannst du ja dazu legen.” Sagte er und drehte sich zu den Studierenden. Was folgte war eine Vorstellung meiner Person gefolgt von einer Vorführung und einer Ansprache darüber, dass ich im Recht sei. immerhin.

“Marvin ist ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn Menschen denken, sie seien im Recht. Und er ist ja im Recht. [..] nur sollte man manchmal darüber nachdenken, welches Verhalten, auch wenn man im Recht ist, zielführend ist und welches nicht. [..] Die meisten Morde passieren, weil Menschen sich im Recht sehen [oder: weil Menschen Recht hatten.]”

Anstatt also nach zwei Jahren fehlender Rückmeldung einfach einzugestehen, dass Carsten Bormann eventuell auch einfach mal auf eine Email hätte antworten können, beginnt er also mich in seiner Vorlesung vorzuführen und lächerlich zu machen. Was der Nebensatz mit den Morden darstellen soll, ist mir mehr als schleierhaft. Vielleicht hat er in den Zeilen

“Ich brauche sehr sehr dringend meinen Schein für AWE13, da ich sonst meine Diplomarbeit nicht anmelden kann. Bitte gibt mir eine kurze Rückmeldung.” (Datum: 05.02.2014)

“Es wäre toll, wenn du auf mein Mails reagieren würdest. Ich brauche endlich meinen Schein für AWE13. Und das dringend. Bitte teil mir mit, wann du an der Uni bist, damit ich mir den endlich abholen kann.” (Datum: 16.07.2014)

“Hey, falls du deine Mails überhaupt lesen solltest: Schein.” (Datum: 07.08.2014)

eine Morddrohung gesehen, vielleicht sollte es auch einfach nur ein Witz sein, der keinen Sinn ergibt. Wer weiß.

“Den Schein”, beendete Carsten Bormann den Vortrag selbstgefällig “habe ich übrigens heute morgen im Prüfungsamt abgegeben.”

Nun gut, das hätte er mir per Mail auch mitteilen können, dann hätte ich mir den Weg zur Uni Bremen gespart. Ob Carsten mich nun aus Trotz hat durchfallen lassen oder ob ich jetzt auch offiziell bestanden habe, weiß ich leider noch nicht, da das Prüfungsamt bereits geschlossen war. Der drohende Unterton war nur allzu deutlich. Wir werden sehen.

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