Erfahrungsbericht Tierarzt “Dr. vet.” Oriol Specht

Gute Bewertungen, schnelle Termine, ein freundlicher Eindruck am Telefon. Herr Specht, der als “Dr. vet.” auftritt, hatte schnell mein Vertrauen. Der Termin selbst stellte sich als Horrortrip heraus. Schlechte Betreuung des Tiers, halbherzig bei der Sache und anschließend eine horrende Rechnung jenseits von Gut und Böse. Eine kurze Suche nach Herrn Specht ergibt schnell: Diese Erfahrung scheint kein Einzelfall zu sein. Selbst der Doktortitel, unter dem Herr Specht auftritt, wirft Fragen auf.

Auf der Bewertungsplattform Jameda stieß ich zuerst auf Herrn Specht. Die guten Bewertungen und Onlinebuchungsmöglichkeiten fielen mir positiv auf. Auf der verlinkten Website findet sich der Hinweis, dass grundsätzlich vor 18 Uhr nur der einfache Satz berechnet wird, ab 19 Uhr dann der dreifache. Um eine faire Bezahlung für alle möglich zu machen.

“Unser Weg: Wir haben weniger Mitarbeiter und berechnen in der Praxis grundsätzlich nur den normalen Satz, also den niedrigsten Betrag, den wir nach der allgemein geltenden Gebührenordnung berechnen können bis 18:00 Uhr. Ab 19:00 gilt der dreifache Satz lt. GOT vom Juli 2017.”
Website von Herrn Specht, Stand 07.09.2018

Dem Hund selbst geht es scheinbar glücklicherweise gut. Auch wenn es hier anders wirkt. 🙂

Basierend auf dieser Regelung und dem Profil entschloss ich mich, Herrn Specht mein Vertrauen zu schenken. Der Erstkontakt lief positiv ab. Am Telefon hatten wir schnell einen Termin für die Kastration meines Rüden Teetou gefunden. Auf direkte Nachfrage nach dem Preis wird auf die GOT verwiesen.

Am 06. September um 14 Uhr war es dann soweit. Als ich pünktlich die Praxis betrete, ist Herr Specht zunächst noch mit einem Patienten und dessen stark zitterndem Hund mit der Abrechnung beschäftigt. Was direkt auffällt: Neben dem behandelnden Arzt ist kein weitere Personal vorhanden. Gegen 14:15 wendet Herr Specht sich mit und meinen Hunden zu. Es wird noch einmal nachgefragt, wie alt der Rüde ist(fast drei). Daraufhin wurde mir ein Zettel gereicht, auf dem ich eine Selbstauskunft ausfüllen sollte. Grund des Besuchs: Kastration (Rüde). Mündlich gibt es die Nebenabsprache, direkt den Zahnstein zu entfernen, wenn der Hund eh schon unter Narkose ist.

Bei Beginn der Behandlung wenige Minuten später wird der Chip nicht ausgelesen. Auch, dass ich erwähne, nicht der Besitzer zu sein, interessiert Herrn Specht nicht. Er schaut kurz auf den Zettel und beginnt.

Als erstes bekommt Teetou eine Injektion mit Beruhigungsmittel verabreicht. Danach soll ich den Hund auf dem Arm halten und ihn beruhigen. Der Arzt verlässt für ein paar Minuten den Raum. Es folgt die Rasur des Beines von Teetou, um den Zugang vorzubereiten. Nachdem der Zugang gelegt wurde, werde ich aus dem Raum gebeten. Der Hund wird auf den Rücken gelegt und der Schritt freigelegt. Es folgt die Rasur der zu operierenden Körperpartie.

Während der OP klingelt mehrfach das Telefon. Jedes Mal lässt der behandelnde Arzt den Hund alleine ungesichert auf dem Tisch liegen und telefoniert in Seelenruhe. Irgendwann scheint während des Telefonats die Erinnerung zu kommen, dass eine OP im Gange ist. “Bitte senden sie mir eine SMS, ich habe gerade ein Tier in der Narkose. Und kommen sie bitte schnell.” Auch bei weiteren Anrufen wird in aller Ruhe der Hörer abgenommen.

Während der OP wird immer wieder das Gespräch mit mir gesucht. Es wird sich über die neue GOT aufgeregt und wie unrealistisch hoch die neuen Sätze doch seien. Er kenne nur Kollegen, die nach der alten Verordnung abrechnen würden, sonst gäbe es ja keine Kundschaft mehr, die sich das leisten könne. Zwischendurch wird die OP unterbrochen, um mir auf dem Handy des Arztes Fotos von einem reißerisch wirkenden Flyer zu zeigen, der auf vorgeblich enorme Kosten bei Zahnbehandlungen für Katzen hinweist. Was dies mit meiner OP zu tun hat, bleibt schleierhaft. Es bleibt die Betonung: Die GOT sei Wucher und man könne keinem Menschen den normalen Satz zumuten.

Dann beginnt die Zahnsteinentfernung mit ihrer typischen Geräuschekulisse. Gegen Ende werde ich kurz dazu geholt. Das Zahnfleisch sei entzündet gewesen, dass habe er direkt mit behandelt. Antibiotika seien ebenfalls bereits verabreicht. Eine vorherige Rücksprache fand nicht statt.

Während der OP erscheint ein Gutachter, der bestellt wurde, um das Röntgengerät zu überprüfen. Zur Begrüßung wird abermals die OP unterbrochen, ein Gespräch gehalten und zur Begrüßung die Hände gedrückt. Als mit der OP weiter gemacht wird, findet eine vorherige Desinfektion der Hände nicht statt. Anschließend ist der Arzt im Wechsel bei der OP und im Zwiegespräch mit dem Gutachter. Dieser stellt fest, dass die Strahlenstärke und das einstellbare Intervall des Röntgengeräts zu hoch ist. (Bei ersterem war von 77 statt 70 die Rede, die Einheit ist leider nicht mehr im Gedächtnis.) Die Werte überstiegen laut Gutachter gesetzliche Grenzwerte, dieser wolle aber nochmal ein Auge zudrücken. Der Arzt betont immer wieder, dass das in Polen erworbene Gerät nagelneu sei und das gar nicht sein könne. Der Gutachter bemerkt, dass er eigentlich dachte, er kenne alle Modelle, ein solches habe er allerdings noch nie gesehen. Während der Hund im Raum liegt, werden Beispielbilder angefertigt.

Gegen 15:15 wird mir nun mitgeteilt, der Hund sei “über den Berg”. Er müsse nur noch aufwachen. Es wird in einer Box untergebracht, die nicht verschlossen wird. Ab diesem Zeitpunkt ist der Arzt mit neuen Patienten beschäftigt. Nach wenigen Minuten wird mir beiläufig gesagt “Gucken sie, er kommt zu sich”. Als ich mich daraufhin nähere, versucht der Hund aus der Box zu kommen und stürzt. Meine Stimme sei Schuld, ich solle gefälligst nicht so nah ran gehen heißt es da. Natürlich wäre ich nicht heran getreten, wenn der Arzt mich nicht vorher aufgefordert hätte, dies zu tun. Im Anschluss wird die Box dann verschlossen.

Der zweite Patient die an der Reihe ist, ist ein semi-Notfall. Der Hund hat im Laufe des Tages eine Tafel Schokolade gegessen. Es wird eine Spritze verabreicht, die Erbrechen auslöst. Nachdem der Hund jede Mensche Schokolade erbricht, wird auf die Besitzer eingeredet, dass dies nicht passieren dürfe und der Hund hätte sterben können. Insgesamt war auch hier bereits ein recht merkwürdiger Unterton zu erkennen. Anschließend verabreichte Herr Specht einen vorgeblich dringend nötigen Tropf, um den Flüssigkeitsverlust durch das Erbrechen auszugleichen. Während dieser Zeit jault Teetou in seiner Box herum. Ihm wird keines Blickes gewürdigt.

Nach einer Weile wird Teetou aus der Box gelassen. Er torkelt anschließen frei im Raum herum. Ohne Betreuung und ohne Halskrause. Erst als er benommen aus dem Behandlungszimmer auf mich zuwankt, fällt mir dieser Zustand auf. Vollkommen verwirrt ist der Hund zunächst ängstlich mir gegenüber, bis er es sortiert bekommt, dass ich ihm nichts böses möchte. Die Aufmerksamkeit verbleibt währenddessen auf dem zweiten Hund mit der Vergiftung.

Nachdem alle durch sind, wird die Rechnung verlesen. 729 Euro. Angeblich weniger, als er eigentlich berechnen müsste. Herr Specht tue mir einen Gefallen, indem er mir entgegen käme. Obwohl er dies gesetzlich gar nicht dürfe. Ich frage auf Grund des hohen Preises nach den Einzelposten. Anamnese + ZahnOP + Infusion + Betäubungseinleitung (5-fach), Medikamente(20 Euro), und vier Zeiteinheiten sind hier vermerkt. Auch hier käme Herr Specht mir entgegen, immerhin wäre er beinahe zwei Stunden mit dem Hund beschäftigt gewesen. Als ich daraufhin nach der GOT frage, wird Herr Specht ausfallend.

Mit erhobener Stimme brüllte Herr Specht mich an, warum ich ihm nicht vertrauen würde. Er nahm die Rechnung mit dem vorgelegten Betrag wieder an sich und wetterte wütend herum, wenn ich ihm SO käme, dann würde ich halt eine echte Rechnung bekommen. Der ungefähre Wortlaut: “Sie haben kein Vertrauen in mich, dann vertraue ich Ihnen auch nicht. Nachher schwärzen Sie mich bei der Kammer an, da musste ich schon mal Geld bezahlen, weil ich unter dem Satz berechnet habe!” Ein Diskussion vollkommen zwecklos, da jeder Satz unterbrochen wird mit einem nahezu schreienden “Lassen sie mich aussprechen!!!”

Weiterhin extrem laut und wütend, rechnet er mit mir alle Posten einzeln durch. Hierbei fällt auf, dass für sämtliche Leistungen der zweifache Satz berechnet wird. Grundsätzlich je nach selbstverständlich nicht verwerflich, würde es da nicht das Marketing auf der eigenen Homepage geben, im Rahmen dessen versichert wird, dass immer nur der einfache Satz abgerechnet werden würde. Parallel wird die Rechnung für das Pärchen mit dem Schokoladenhund aufbereitet. 250 Euro möchte Herr Specht für dessen kurze und simple Behandlung haben.

Als ich Herrn Specht auf die Website anspreche, erwidert er, dass es sich da um eine alter Version handeln müsse. Das sei nicht mehr aktuell und gelte nur für die GOT 99. Auf der Website ist aber klar auf die GOT 2017 verwiesen(siehe Screenshot). Es muss sich also bereits um eine neue Version gehandelt haben. Als Beweis wird auf Lautsprecher gestellt der Mensch für die Website angerufen. Ob er den Inhalt schon aktualisiert habe. “Das habe ich gerade gemacht. Vor etwa einer Stunde”, erwidert dieser. (Ich habe während der letzten Stunden mehrfach auf die Seite und innerhalb der letzten Wochen mehrfach auf den Abschnitt mit Bezug auf die Gebühren geschaut, verändert hat sich dort nichts.) Als letztes Argument wird die Behauptung aufgestellt, der einfache Satz sei grundsätzlich nur für Diensttiere anzuwenden und mein Hund sei ja sicher nicht bei der Polizei.

Da mir diese Behauptung etwas merkwürdig vorkommt, telefoniere ich mit einer anderen Tierarztpraxis. Hier zeigt man sich verwirrt über diese offensichtlich falsche Aussage. Auf die Nachfrage, wo ich denn sei, nenne ich lediglich den Namen der Praxis, woraufhin die wissenden Worte “Ach, der Herr Specht…” erwidert werden. Es wird sehr deutlich, dass der Herr ein bekannter Name ist. man spricht mir mein Bedauern aus, hält sich aber verständlicherweise aus Selbstschutz mit genaueren Antworten zurück.

Als ich wieder rein gehe und den Arzt zur Rede stelle, rastet dieser aus und schreit mich an. Ob ich nun bezahlen wolle oder nicht. Er opfere sich hier schließlich auf, und ich gäbe ihm aus Dank einen Tritt. Es entsteht eine lautstarke Auseinandersetzung zu Lasten aller anwesenden Menschen und Tiere. Beleidigungen bleiben aus. Mir wird gedroht, wenn ich nicht sofort zahle, würde die Rechnung höher ausfallen. Dann bekäme ich die “echte” Rechnung. Diese ginge dann nach sieben Tagen ans Inkasso. “UND DANN SIND SIE DIREKT IN DER SCHUFA!” wird mir brüllend gedroht.

Ich werde aus der Praxis geschmissen. Eine Aufklärung über die Nachbehandlung meines Hundes findet nicht statt. Medikamente werden mir keine mitgegeben. Auch ein neuer Termin zum Ziehen der Fäden wird nicht angeboten.

Zurück bleibt eine offene Rechnung unklarer Höhe, ein Hund, der nun wo anders eine abermals kostenpflichtige Nachprüfung benötigt und jede Menge formelle Dinge. Denn dieses Verhalten wird selbstverständlich ein juristisches Nachspiel haben.

Wer ähnliche Erfahrungen mit Herrn Specht gemacht hat, kann sich gerne bei mir melden. Je mehr sich melden, desto einfacher wird es für die zuständige Kammer, eine Handhabe zu bekommen. 🙂

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