Kampagne “Ja zum Meisterbrief” – warum eigentlich?

Die Handwerkskammer schlägt seit kurzem Alarm und behauptet, die EU wolle den Meisterbrief abschaffen. Dass dies nie der Fall war und die Eskalation seitens des Handwerks auf eiskalten Lügen basierte interessiert nur wenige. Um die bösen Pläne der EU-Kommission aufzuhalten, ruft “Das Handwerk” nun zur Kampagne “Ja zum Meisterbrief” auf. Eine Kampagne die inhaltsloser kaum sein kann. Dabei wird wieder auf Lügen zurückgegriffen. Lügen, auf die viele Landesparlamente bereits reingefallen sind.

“Ja zum Meister – Ohne Meistertitel keine Ausbildung keine Qualität” lautet der Slogan der Kampagne. Es wird also behauptet, dass es nur mit dem Meisterbrief Qualität gäbe und der Meisterbrief das einzige Mittel sei, mit dem Verbraucherschutz gewährleistet werden könne. Ausgeblendet wird also, dass es neben der Handwerksordnung mehr als genug Verordnungen und Gesetze gibt, mit denen Qualität jederzeit gewährleistet werden könnte.

Was an der Kampagne allerdings viel schlimmer ist, ist die Aussage, dass es ohne Meistertitel keine Ausbildung gäbe. Da frage ich mich doch, auf welchem Planeten die verantwortlichen Menschen denn bitte leben? Gibt es Ausbildungen etwa nur im Handwerk? Ist die Industrie nichts wert? Für die Handwerkskammer anscheinend nicht. Im Handel gibt es schließlich keinen Meisterzwang, demnach kann es dort ja auch eine Qualität geben und Ausbildung sowieso schon mal gar nicht. In der Realität auf dem Planeten Erde ist das Handwerk nicht alleiniger Ausbildungsort und nicht einmal stärkster Ausbildungsort.

Zusammengefasst tun die Handwerkskammern also mal wieder so, als sprächen sie für das gesamte Handwerk – was sie faktisch leider nicht tun, auch wenn es ihre Aufgabe wäre -, als sei das Handwerk der einzig wahre Ausbildungsort – was ebenfalls nicht korrekt ist, im Handel wird sogar MEHR ausgebildet als im Handwerk – und als käme Qualität nur aus dem traditionellen deutschen Handwerk. Das Handwerk ist eine wichtige Grundlage für unsere Wirtschaft. Jedoch sollte jeder Handwerker und jede Handwerkerin sich einmal überlegen, von was für Menschen das Handwerk aktuell vertreten wird. Die Handwerkskammern gehen vielen wichtigen Aufgaben nach. Aber die Willkür und besonders die Lügen dieser öffentlich-rechtlichen Einrichtungen müssen endlich aufhören.

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