Die Piraten und das Urheberrecht

Die Kulturgüter der Menschheit sind ein wichtiger und wertvoller Bestandteil der Gesellschaft. Die Piratenpartei Deutschland steht – entgegen der oft verbreiteten Behauptung – nicht für die Abschaffung des Urheberrechts, sondern für eine faire Novellierung eines nicht mehr zeitgemäßen Gesetzes.

Dieser Artikel ist Teil der Reihe „Das Programm der Piratenpartei“. Die Informationen sind dem Grundsatzprogramm der Piratenpartei Deutschland entnommen. Sollte ich einmal etwas falsch interpretiert oder zu sehr mit einer persönlichen Beinote versehen oder sogar etwas wichtiges übersehen haben, bitte ich um einen Hinweis.

Wir befinden uns mit rasanter Geschwindigkeit auf dem Weg in eine Wissens- und Informationsgesellschaft. Infolgedessen kommt es an vielen Stellen zu Unzulänglichkeiten in Bezug auf veraltete Gesetzgebungen, die in einem für die Politik eher ungewöhnlichen Tempo angepasst werden müssen. Der irreleitende Begriff des “geistigen Eigentums” beispielsweise lässt vermuten, virtuelle oder geistige Dinge seien ähnlich oder gleich zu behandeln wie materielle Gegenstände.

Im Zuge des schnellen Wandels müssen nun wirtschaftliche Interessen und das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit an Kulturgütern ausgelotet werden. Niemand will eine Abschaffung des Urheberrechts. Was allerdings von Seiten der Musikindustrie propagiert wird, ist mindestens ebenso haarsträubend, wie es eine Aufhebung von Verwertungsrechten wäre. Es ist wichtig und gut, dass Künstler eine Vergütung für ihr Schaffen erfahren. Jedoch trägt die Kriminalisierung von nicht-kommerziellen Kopien in keinster Weise dazu bei, dem Künstler zu helfen. Im Gegenteil, aktuelle Studien berichten sogar davon, “Filesharer” würden im Durchschnitt mehr Musik erwerben als Menschen die keine Musik illegal erwerben. Eins ist klar: Alternative Geschäftsmodelle müssen her.

Wichtig ist unter Anderem auch die klare Positionierung gegen “Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern”. Was aus kommerzieller Sicht zuerst noch recht plausibel klingt, stellt sich schnell als fatale Fehlentwicklung dar: Über Systeme wie DRM (Digital Rights Management) wird effektiv die Nutzung von Medien eingeschränkt. Zukünftige Generationen, welchen unsere Abspielgeräte möglicherweise nicht mehr zur Verfügung stehen könnten sich außer Stande sehen, “alte Medien” zu verwenden.

Der Bereich Urheberrecht wird im November im Zuge des Bundesparteitages 2012.2 vermutlich um einige Punkte erweitert werden. Unter anderem wird über spezifischere Alternativmodelle abgestimmt.

About Marvin Pollock