Diesen Mittwoch trafen sich in der Handwerkskammer Bremen die Bremer Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl, um über Probleme im Kammersystem zu diskutieren. Die Piraten wurden leider nicht eingeladen. Über das Handwerk wurde kaum gesprochen.

Die Handwerkskammer in Deutschland ist etwas ganz besonderes. Sie ist das Konstrukt, dass die im Grundgesetz zugesicherte Berufsfreiheit umgeht und Menschen verbietet, gewissen Arbeiten nachzugehen, wenn sie kein Blatt Papier besitzen, auf dem amtlich steht, dass sie dieser Tätigkeit nachgehen dürfen. Aus dem europäischen Raum steht dieses Modell mit seinen Zwangsmitgliedschaften unter starker Kritik.

Funfact: Muffins, Cupcakes und Donuts unterliegen ab sofort dem Meisterzwang.

Die Handwerkskammer verspricht also vielversprechendes Diskussionsmaterial. Auf dem Plan standen die Themen: Fachkräftemangel, Steuern, Arbeit und Soziales, Wirtschaft und Wettbewerb. Die realen Anteile der “Diskussion” lagen dann etwas anders.

Statt über Fachkräftemangel im Handwerk zu sprechen, wurde über eine Stunde über das Schulsystem gesprochen. Während Carsten Sieling von der SPD der Meinung war, die Bildung liefe in Bremen ganz gut, gab Frau Motschmann von der CDU die Schuld an einem zu experimentierfreudigen Schulsystem den Sozialdemokraten. Die Themen reichten vom skandinavischen Schulsystem bis hin zum verpflichtenden Hauptschulabschluss.

Das Schulsystem ist Interessant und wichtig, es war aber nicht Thema des Abends!

Im Anschluss wurde über Steuern gesprochen. Viel mehr als ein “eure Taktik ist doof” kam hierbei nicht rum.

Auf die eigentlichen Probleme der Handwerkskammer wurde in keinem Stück eingegangen. Die selbstverwaltende Intransparenz, die vielen Menschen in Deutschland die Lebensgrundlage nimmt wurde nicht angeschnitten. Ich wäre gerne zu Wort gekommen, leider wurde jedoch die Diskussion nach 2 Stunden Schulsystem und Steuerpolitik abgebrochen.

Die gesamte Veranstaltung war eine widerliche Farce. Sie ist wieder einmal ein trauriges Beispiel dafür, warum die Forderung der Piratenpartei nach mehr Transparenz eben keine Floskel, sondern im Gegenteil sogar verdammt wichtig ist. Der autonomen Selbstverwaltung der Handwerkskammer MUSS entgegengewirkt werden.

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